TYPO3-Updates: Warum eigentlich?

Das TYPO3-Fundament

TYPO3 ist ein Open-Source Content-Management-System, welches seit vielen Jahren (grob seit 2001) am Markt präsent ist und sich vor allem in Europa/Deutschland großer Beliebtheit erfreut.

Agenturen schätzen es, weil die Erweiterbarkeit durch die TypoScript-Templates und Extensions extrem vielfältig ist sowie die Software ein sehr solides und häufig eingesetztes Fundament bietet. Viele Entwickler kennen sich gut mit dem System aus und können schnell (und damit kostengünstig und mehrfach einsetzbar) neue Anforderungen umsetzen.

Von Kunden wird die zuverlässige und vielseitig einsetzbare Plattform sehr geschätzt, die schon nach kurzer Einarbeitungszeit sowohl die einfache Erstellung von redaktionellen Inhalten als auch fortgeschrittene Nutzung von Datensätzen und Erweiterungen ermöglicht. Die konstante Weiterentwicklung des Systems auf zeitgemäße Techniken besitzt eine hohe Investitionssicherheit.

Für ein System, das so viele Jahre am Markt ist wie TYPO3, ist es erfreulich zu sehen, wie schnell die aktuelle Entwicklung vorangeht. Mittels Techniken wie Extbase/Flow/Fluid ermöglicht TYPO3 hochwertigen, testbaren und klar separierten Code, der Programmierern vollständige Kontrolle über alle Eingaben, Ausgaben und Speicherungen ermöglicht. Zudem verbessern Fortschritte in Sachen User Experience (UX) und Interface Design die Bedienung durch Redakteure, auch auf Geräten wie Tablets.

Schritt halten

Jener Fortschritt hat natürlich einen Preis: Updates bzw. Upgrades fallen regelmäßig an.

Ein Kunde, der eine Agentur für die Umsetzung bzw. Betreuung seiner Seite beauftragt hat, muss bei der Entwicklung einer Webseite somit nicht nur auf initiale Kosten achten, sondern auch darauf, dass eine TYPO3-Installation eine gewisse "Lebensdauer" besitzt.

Die TYPO3-Association, die gegründet wurde, um auch eine strategische Weiterentwicklung der Marke TYPO3 zu lancieren, hat vor einiger Weile eine klare Richtlinie zur Versionierung hergestellt: https://typo3.org/typo3-cms/roadmap/

Dort kann man sehen, mit welcher zeitlichen Planung neue Versionen etabliert werden sollen. TYPO3 unterscheidet zwischen "Long Term Support" (LTS) Versionen und Zwischenversionen. LTS-Versionen sind primär für den Produktiveinsatz gedacht und erhalten nach Veröffentlichung nur noch Änderungen zur Stabilisierung der vorhandenen Features oder sehr gut getestete neue Features. Für experimentelle Features oder Änderungen, die potentielle Probleme mit sich bringen können, sind Zwischenversionen gedacht.

Entwicklungsgeschichte

2011 erschien die erste LTS-Version 4.5.0, die bei vielen Kunden zum Einsatz kam. Die Versionslinien 4.6.x und 4.7.x folgten darauf und erhielten bereits einige funktionale Weiterentwicklungen, die später in der Version 6.0 mündeten. Eine Version 5 sollte ursprünglich ein komplettes Rewrite darstellen, wurde aber dann in ein eigenes Produkt (Neos) ausgegliedert, das andere CMS-Bedürfnisse abdeckt und mit einem inkompatiblen Konzept zu TYPO3 aufwartet.

TYPO3 6.0 brachte zahlreiche Erkenntnisse aus der Parallelentwicklung von Neos mit ein und bot vor allem im Kern etliche neue Programmierfeatures. Auch für Benutzer wurde die graphische Oberfläche stark überarbeitet und erschien somit benutzerfreundlicher, größer und moderner. Mit Version 6.2 hielt dann Mitte 2014 die erste LTS-Version Einzug, die somit die Version 4.5 und 4.7 der vergangenen Jahre ablöste.

Die Migration von einer TYPO3 4.5/4.7 Installation auf 6.2 gestaltete sich aufgrund der zahlreichen Änderungen nicht immer leicht. Eine Reihe von Extensions (Plugins) in das TYPO3-System mussten teilweise von Grund auf neu entwickelt oder gar eingestellt werden, so dass jede ältere TYPO3-Installation vor der Frage stand, ob und wie diese aktualisiert werden kann. Der offizielle Support der TYPO3 Version 6.2 LTS endete im März 2017. Die bedeutet, dass seither keine Sicherheitsupdates oder neue Browserversionen veröffentlicht werden. Um die TYPO3 Version 6.2 LTS erstmals nach wie vor nutzen zu können, bietet die TYPO3 Association einen kostenpflichtigen Support-Vertrag bis maximal 2019 an.

Derzeit aktuell ist die im April 2017 erschienene TYPO3 Version 8.7 LTS, welche im Vergleich zur TYPO3 Version 7 LTS weitere spannende Versionsfeatures bietet. Die TYPO3 Version 7 LTS ist ebenfalls weiterhin verwendbar und erhält bis einschließlich November 2018 Sicherheitsupdates und Bugfixes der TYPO3 Communtiy.

...und warum?

Warum sollte man letztendlich eine funktionierende TYPO3-Installation aktualisieren? Viele Seiten funktionieren mit älteren Versionen über Jahre reibungslos, also warum nun alles über den Haufen werfen? Dazu möchten wir folgende Dinge in den Raum stellen:

  • Die vordergründigste Herausforderung im Betrieb einer OpenSource-Software, vor allem auf öffentlichen Internet-Servern, ist natürlich: Betriebssicherheit. Bei einer offenen Software die vor allem weit verbreitet ist, stellt dies einen profitablen Angriffsvektor für Hacker oder zur Datensabotage/-spionage dar. Etwaige Sicherheitslücken können leicht und schnell auf zahlreichen Installationen ausgenutzt werden, und häufig ist ein Handeln innerhalb weniger Stunden erforderlich. Auf der anderen Seite ist die Verbreitung auch ein großer Vorteil: Etwaige Sicherheitslücken werden schnell bemerkt, die Behebung der Lücke ist für einen großen Personenbereich interessant und erfolgt aufgrund der aktiven Entwicklercommunity meist sehr schnell. Je älter eine Software also ist, desto mehr Sicherheitslücken werden angefallen sein. Ein regelmäßiges Instandhalten der Software reduziert zudem auch den kumulativen Aufwand, um alle Komponenten zu aktualisieren. Es ist also deutlich leichter beispielsweise von TYPO3 6.1.2 auf 6.2.x zu aktualisieren, als wenn man eine Installation von 4.7.0 auf 6.2.x durchführt.

  • Einige große TYPO3-Extensions setzen moderne Entwicklungs-Techniken ein, die nur von neueren TYPO3-Versionen unterstützt werden. Es kann daher schnell geschehen, dass man eine Extension einsetzen möchte (z.B. eine dynamische Bildergalerie oder ein Veranstaltungsmanagementtool), die nur mit einer neuen TYPO3-Version zusammen funktioniert.

  • Erhöhung der Softwarestabilität - es werden auch bei TYPO3 häufig Bugs gefunden, die iterativ in Folgeversionen behoben werden. Häufig sind dies auch nur kleine Fehler, die im regulären Betrieb gar nicht auffallen, aber später dann zu einem Thema werden. Bleibt man mit TYPO3-Updates regelmäßig am Ball, ist das Risiko geringer auf solche Bugs zu treffen und gegebenenfalls viel Zeit in die Problemanalyse stecken zu müssen, nur um am Ende herauszufinden, dass es ein bekannter Bug war, der schon behoben ist.

  • TYPO3 bietet Sicherheitsupdates und Bugfixes nur für aktiv unterstützte TYPO3-Versionen an. Der offizielle Support für TYPO3 4.x und 6.x ist mittlerweile ausgelaufen, so dass bei etwaigen Problemen ein Upgrade auf eine moderne Version Pflicht ist. Lediglich für die TYPO3 Version 6.2 LTS werden von der TYPO3 Association bis 2019 weiterhin kostenpflichtige Support-Verträge angeboten.

  • Um zu gewährleisten, dass die TYPO3-Seite jederzeit mit neuen Funktionalitäten und Inhalten ausgestattet werden kann, ist es wichtig dass man handlungsfähig bleibt. Wartet man zu lange mit dem Umstieg auf eine neue Version, summiert sich der Aufwand für durchzuführende Updates (z.B. bei der Änderung von Programmierschnittstellen, Strukturen der Datenbanktabellen) und es fallen größere Ausgaben an als wenn man regelmäßig kleinere Beträge für die Software-Aktualisierung investiert hätte.

  • Für uns als Internetagentur, bietet TYPO3 zahlreiche Verbesserungen in Hinblick auf Programmierschnittstellen:

    • Verbesserungen in der Template-Ebene FLUID und ExtBase.

    • Erhöhte Kapselung (Namespaces) bei der Entwicklung von Extensions und Nutzung von APIs

    • Neuer "File Abstraction Layer" zum universellen Zugriff auf Dateien und Bilder

    • Bessere System-Checks

  • Als letztes auch der für Kunden und Redakteure interessanteste Punkt: Neue Features! Denn TYPO3 erhöht natürlich auch die Produktivität durch kürzere Klickwege, klarere Strukturen und vereinfachte Workflows. In den TYPO3 7.x Versionen sind beispielsweise folgende relevante Neuerungen für Redakteure hinzugekommen:

    • Komplett überarbeitetes Backend-User-Interface

    • Responsive Formulare, welche sich automatisch der Bildschirmauflösung anpassen

    • Individuell gestaltbares TYPO3-Anmeldeformular

    • Möglichkeit zur Auswahl eines Bildausschnittes bei der Verwendung einer Referenz

    • Neues Inhaltselement “Text & Medien”, welches die bisher bekannten Elemente “Text”, “Bild” und “Text mit Bild” zusammenfasst

    • Sicherheitsabfrage für Redakteure beim Verlassen eines Editier-Formulars ohne vorheriger Speicherung

    • Verbesserte Such-Funktionen für Inhalte

    • Höhere Sicherheitsmaßnahmen bei der Passwortänderung durch vorheriges eingeben des alten/aktuellen Passwortes

    • Für Administratoren: Neue Auflistung der Backend-Benutzer mit Online-Anzeige

Zusammenfassend sei gesagt, dass sich im Kern von TYPO3 bereits für die 7.x Version extrem viel geändert hat, das ein zukunftssicheres und tragfähiges System unbedingt nutzen sollte. Die Veröffentlichung von TYPO3 8.x ist bereits durchgeführt und setzt weitere Maßstäbe für einfache Backend-Bedienung und Performance. Wenn man jene Features in Zukunft nutzen möchte, lohnt es sich bereits jetzt die Basis dazu mit einem Upgrade auf TYPO3 8.x zu legen. Alle Neuerungen im Detail befinden sich auf der TYPO3-Seite https://typo3.org/download/release-notes/whats-new/.

Wir empfehlen derzeit eindeutig ein Upgrade auf die TYPO3 7.6 LTS Version, und warten erste Erfahrungen mit der neuen TYPO3 8.7 LTS-Version ab, bevor wir diese an unsere Kunden uneingeschränkt weiterempfehlen.

Faktor E hilft bei einem Upgrade von TYPO3

Wenn die Entscheidung für ein TYPO3-Upgrade gefallen ist, analysiert Faktor E für seine Kunden individuell den Ist-Zustand der Installation. Wir prüfen dabei eingesetzte Extensions, genutzte Programmierschnittstellen (TypoScript, Extbase, piBase, etc.) und Anordnungen der Inhalte. Bei genutzten Extensions prüfen wir, ob moderne Extensions oder gar der aktuelle TYPO3-Kern die gewünschte Funktionalität einfacher oder besser abbilden kann.

Ein Testupgrade führen wir dann in einer Test-Installation (einem "Klon", oder einem optimalerweise sowieso vorhandenen Entwicklungssystem) durch und können so etwaige Probleme vorab analysieren.

Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie individuelle Fragen zu Ihrem eigenen TYPO3-Auftritt haben!